Heute möchte Ihnen anhand einer Begebenheit aus dem vergangenen Sommer schildern, warum es so wichtig ist, einen Bogen mit dem richtigen Zuggewicht zu schießen.
Wir waren auf unserem Bogenschießplatz am SchiederSee (den wir leider jetzt nicht mehr betreiben) und haben die Pausen während unseres Schnupperschießens genutzt, einige Fotos für unser neues Buch zu machen. Kerstin, unser Model, ist eine erfahrene Bogenschützin, die einen olympischen Recurvebogen schießt. Da aber ihr Bogen für die geplanten Bilder nur bedingt geeignet war, hatte ich meinen Recurvebogen mitgebracht. Den sollte Kerstin schießen und ich würde dann Fotos vom Schussablauf machen.

Eigentlich kein Problem – dachten wir. Die „paar Pfund“ Zuggewicht mehr würden für die wenigen Probeschüsse für die Fotos wohl keinen Unterschied machen.
Aber Pustekuchen: Kerstins „Wohlfühl-Zuggewicht“ beträgt 22 Pfund bei einer Bogenlänge von 68 Zoll. Mein Bogen ist nur 66 Zoll lang und hat ein Zuggewicht von 30 Pfund. Aufgrund der geringeren Länge ist das Zuggewicht „auf den Fingern“ noch etwas mehr. Also circa 10 bis 12 Pfund mehr als Kerstin es gewohnt ist.
Und so kam es, wie es kommen musste: Der doch erheblich stärkere Bogen führte dazu, dass Kerstin fast ausschließlich damit kämpfte, den Bogen zu ziehen und Ihre Technik dabei völlig vernachlässigte. Der Bogenarm drehte nach innen und die Sehne schlug an den Arm. Sie blieb hinter dem Armschutz hängen und riss diesen mit nach vorne. Der Armschutz verhinderte zwar einen schmerzhaften Bluterguss, die Sehne wurde aber extrem abgelenkt und der Pfeil fand nur noch mit Mühe den Weg auf die Scheibe.
Genau diesen Moment konnte ich glücklicherweise im Foto festhalten:

Links sieht man den verrutschten Armschutz, dann die noch vibrierende Sehne und sogar noch den Pfeil, der gerade die Pfeilauflage verlässt.
Mit ihrem eigenen Bogen wäre Kerstin das nicht passiert. Denn das Zuggewicht und die Größe ihres Bogens waren genau richtig für ihren damaligen Trainingszustand und ihre körperliche Konstitution. Damit klappte auch ein technisch sauberer Schuss.

Daher nochmals der gute Rat: Wählen Sie niemals einen Bogen mit zu hohem Zuggewicht. Gerade am Anfang einer Bogensportkarriere schadet ein zu hohes Zuggewicht ungemein. Wie Sie Ihr persönliches Zuggewicht ermitteln, habe ich hier kürzlich ausführlich beschrieben.
Buchtipps:
- Richtig schießen mit dem Recurvebogen (*)
- Richtig schießen mit dem Compoundbogen (*)
- Schießbuch für Bogenschützen (*)
Text und Fotos: © Martina Berg

Martina Berg ist Chefin von Bogensport Deutschland. Sie schießt intuitiv mit einem Hybridbogen, ist DFBV-Trainerin und Lippische Meisterin mit dem traditionellen Bogen. Als engagierte Händlerin kennt sie sich auch mit Compound- und Recurvebögen aus. Zusammen mit Bert Mehlhaff schreibt sie Bücher für Bogenschützen.